Das erstmalige Auftauchen der NPD in den 60iger Jahren und ihr Stand heute


Das erstmalige Auftauchen der NPD in den 60iger Jahren und ihr Stand heute
Die NPD machte im Jahr 2005 negative Schlagzeilen durch einen Eklat im Sächsischen Landtag. Sie nannten die Bombardierung Dresden einen „Bomben-Holocaust“ und bezeichneten ihn als industriellen Massenmord. Die NPD-

Politiker verweigerten sich an der Schweigeminute für die Opfer des Nationalsozialismus teilzunehmen und verließen den Plenarsaal. Durch diese Entgleisung ist die NPD wieder in den Mittelpunkt der politischen Diskussion geraten. Es bewahrheitet sich somit wieder, dass sie antidemokratisch ist und noch immer den Holocaust verharmlost. Besonders im Osten Deutschlands trifft die NPD auf Resonanz mit ihren ausländerfeindlichen Parolen und ihre Einstellung gegen die EU. Sie schaffte es 2004 mit über 9 Prozent bei den Landtagswahlen in den sächsischen Landtag einzuziehen. Der Verfassungsschutz scheiterte aufgrund von Verfahrensfehlern die NPD zu verbieten, und so bietet sie sich weiter dem Wähler an, der entweder blind im Geiste ist oder die NPD als Protestform wählt. Zu Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und sozialer Unsicherheit wittern extremistische Parteien immer Morgenluft. Meistens haben sie nur ein schwammiges Konzept um Probleme lösen zu können. Meistens handelt es sich um Stammtischparolen, wobei Dinge immer vereinfacht dargestellt werden und die Bösewichter für alle Probleme benannt werden. Wenn man die deutsche Geschichte betrachtet, waren wirtschaftliche und soziale Probleme oft die Ursache für das Erstarken von extremistischen Parteien. Aufgrund von wirtschaftlichen und politischen Faktoren ist auch die NSDAP am 30.1.1933 an die Macht gekommen. 12 Jahre nationalsozialistische Herrschaft prägten die deutsche Geschichte entscheidend. In den 60iger Jahren begannen junge Leute zu fragen, wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass so viele Menschen blind der NSDAP gefolgt sind und so viele Verbrechen von den Nationalsozialisten gegangen wurden. Die Studenten der 68iger Bewegung setzten sich intensiv mit dieser Zeit auseinander und begangen ihre Eltern und Großeltern nach ihrer Verantwortung in jenem Zeitraum zu fragen. Doch dass auch in den 60iger Jahren wieder rechtsextremistisches Gedankengut hochkam, lieg vor allem daran, dass die große Zeit des Wirtschaftswunders vorbei war und Mitte der 60iger Jahre die erste Rezession einsetzte. Schon fangen wieder die Probleme an und es wurde nach den Schuldigen gesucht. So trat auch erstmals eine kleine Partei in die Öffentlichkeit und etablierte sich auch zum Teil auf Landtagsebene. Ganz im Schatten der 68iger Bewegung und der ganzen Geschehnisse stieg diese kleine Partei auf. Im Jahr 2006 gibt es diese Partei immer noch: Es ist die Nationale Partei Deutschlands, die man auch unter der Abkürzung NPD kennt. Wie bereits am Anfang beschrieben machte sie ihren Aufstieg auf Landtagsebene aufgrund ihrer Parolen perfekt und sitzt heute im sächsischen Landtag. Auch in den 60iger Jahren saß sie in einigen Landtagen, aber damals wurde sie nicht so kritisch betrachtet wie heute. In der Gegenwart versucht die NPD wieder mit Propaganda die Wähler zu ereichen.
Die NPD wurde am 14.11. 1964 in Hannover von 17 Mitgliedern gegründet. Sie ging aus verschiedenen Parteien und Gruppierungen hervor. Zum ersten Vorsitzenden wurde Fritz Thielen gewählt. Laut Literatur traten 433 Personen sofort in die NPD ein. Die Anzahl der Teilnehmer schwankt bei Gründungsdatum zwischen 850 und 900 Personen. Viele NPD Mitglieder waren bereits Mitglieder der NSDAP, aber keiner von ihnen war ein Verbrecher oder Kriegsverbrecher. Die NPD hatte nun im darauf folgenden Jahr das Ziel, in die politische Parteienlandschaft der BRD einzutreten. Dieser Vorgang war bereits mit der Bundestagswahl von 1965 geplant. Ein weiterer Grund für das Erstarken der NPD sind Protestdenken und die Erinnerung an die Vergangenheit. Die Mitgliederzahlen schwanken zwischen 28 000 und 40 000 Personen. Diese Zahlen sind jedoch nur Schätzungen, da der Staat keinen direkten Zugang zur Bundesgeschäftsstelle hatte. Das Jahr 1966 war die Geburtsstunde der „Großen Koalition“ zwischen CDU/CSU und SPD. Die NPD sah nun ihre Chance gekommen, die nationalistisch-konserativen und antikommunistisch eingestellten Kreise des Bürgertums zu gewinnen. Diese Kreise des Bürgertums sahen sich auch bedroht, als nun erste soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten auftraten. Die Jahre nach dem Kriege waren trotz demokratischer Verhältnisse autoritär geprägt. Das nationalsozialistische Gedankengut lebte in Teilen der deutschen Bevölkerung weiter. In den westlichen drei Besatzungszonen ging man nach dem Krieg sehr oberflächlich mit der Entnazifizierung vor. Ehemalige NSDAP-Mitglieder schafften es sogar in demokratischen Parteien aufzusteigen. Der ehemalige Bundespräsident Lübke und der Bundeskanzler Kiesinger sind die zwei wichtigsten Beispiele dafür. Der Antisemitismus war noch immer in den Köpfen der Deutschen. Sie sahen die Juden als fremde Rasse an. Adolf Hitler war für ein Drittel der Deutschen in den 60iger Jahren einer der größten Staatsmänner der deutschen Geschichte. Viele Menschen konnten sich mit der Bundesrepublik Deutschland nicht richtig anfreunden und waren noch tief mit dem Dritten Reich geistig verbunden. Nun machten sich wieder Existenzängste breit und der Ruf nach einer starken Persönlichkeit wurden wieder publik. So war es auch am Vorabend des 30.1. 1933, als Millionen von Menschen vor dem wirtschaftlichen und sozialen Nichts standen. Nur war die Lage damals viel bedrohlicher, weil breite Schichten um ihre Existenz bangten. Das war aber in 60iger Jahren längst nicht der Fall. Auch wenn es eine erste Rezession 1966 gab, so kann von einer Existenzkrise noch keine Rede gewesen sein. Im Jahr 2006 sieht die Situation schon anders aus. Wenn über 5 Millionen Menschen von arbeitslos sind, ist die existenzielle Bedrohung wieder in greifbare Nähe gerückt. Von daher kann man die Situation in den 60iger Jahren nicht mit der von heute vergleichen. Aber das Prinzip des Erstarkens von extremistischen politischen Gruppierungen in Krisenzeiten ist das Gleiche. Vor allem in den Bereichen der Landwirtschaft, des Bergbaus und im Mittelstand gab es Mitte der 60iger Jahre eine erste wirtschaftliche Krise. Die Erschütterung der Menschen gab der NPD zusätzlichen Auftrieb. Der Mythos von einem immerwährenden Wirtschaftwunder zerplatzte wie eine Seifenblase. Da nun eine große Koalition der beiden Parteien regierte, gab es außer der FDP keine ernstzunehmende Opposition mehr im deutschen Bundestag. Es wurde nun die Außerparlamentarische Opposition (APO) gegründet, die viele konservative Bürger als Bedrohung empfanden. Auch die aufkommende Studentenbewegung verschärfte das Gefühl der Bedrohung. Die APO war der Gegenspieler zur NPD. Für die NPD stand die AOP für den Werteverfall und den Zerfall der traditionellen Normen. Die NPD machte sich dies zunutze, in dem sie Sicherheit durch Recht und Ordnung versprach. Die APO setzte die NPD mit dem Nationalsozialismus gleich und stellte damit das konservative Image der NPD in Frage. In der Deutschlandpolitik gab es ein Umschwenken bei den großen Parteien. Erstmal schloss die Regierungspartei 1964 Verträge mit osteuropäischen Staaten ab. Die NPD prangerte die Außenpolitik der Regierungsparteien an forderte die ehemaligen deutschen Gebiete zurück. Die NPD konnte bei den Landtagswahlen in einige westdeutsche Landtage mit zum Teil beachtlichen Erfolg einziehen. Bei den Landtagswahlen in Baden Württemberg 1968 konnte die NPD mit 9,8 % Stimmenanteil fast den zweistelligen Bereich erreichen. Der Aufstieg der NPD dauerte bis 1970 an, danach verlor sie immer mehr an Bedeutung. Auf Bundesebene gelang es der NPD nicht, in den Bundestag einzuziehen. 1969 war es ihr mit 4,3 % aber fast gelungen in den Bundestag einzuziehen. Das war auch der Höhepunkt der NPD im Wahlergebnis. 1972 erreichte sie nur noch magere 0,6% Stimmenanteile. Da es die NPD 1969 nicht schaffte in den Bundestag einzuziehen und damit die 5% Hürde zu überwinden, waren viele NPD-Wähler enttäuscht und wurden für die nächsten knapp 20 Jahre von der CDU aufgesogen. Das Scheitern 1969 war für die NPD Ende der 60iger Jahre der Anfang vom Ende. Sie hat bei ihren Wählern eine bestimmte Erwartungshaltung nicht erfühlt und verlor damit Wähler. Der Weg in die Bedeutungslosigkeit war damit gelegt und für die nächsten Jahre sollte die NPD keine Bedeutung in politischer Hinsicht mehr haben. Die NPD scheiterte, weil sie nun in der Presse ein negatives Echo auslöste. Bei den Wahlkampfveranstaltungen 1969 kam es zu Tumulten gegen die NPD. Statt der versprochenen Ruhe und Ordnung war die Lage eher chaotisch, deshalb distanzierten sich viele Wähler von der NPD und gingen zur CDU über. Es fehlten etwa 300 000 Wählerstimmen für den Einzug in den 6. Deutschen Bundestag. Bei den Landtagswahlen 1970 und 1971 verlor die NPD alle ihre bisher erreichten Mandate wieder. In finanzieller Hinsicht war der Bundeswahlkampf 1969 auch ein Desaster, denn die NPD ging aus diesem mit 1,8 Millionen DM Schulden hervor. Durch innere Flügelkämpfe schwächte sich die NPD noch mehr. Es verließen immer mehr Mitglieder NPD, als neue dazukamen. Damit war das erste Kapitel der NPD Anfang der 70iger Jahre wieder abgeschlossen. Die NPD schaffte es nicht wirklich, weder aufgrund der 68iger Bewegung noch aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten, in der damaligen BRD auf Bundesebene präsent zu sein. Die NPD ist eine Partei, die in dem 1949 geschaffenen System fremd erscheint und heute verboten werden müsste. Ihre Existenz macht deutlich, wie krisenanfällig die Demokratie ist. Vor allem hetzt die NPD in heutiger Zeit gegen Schwächere, wie Ausländer, Homosexuelle und Behinderte. In der Suche nach dem Sündenbock und einem Verantwortlichen für bestimmte Verhältnisse nehmen die Menschen sich den einfachsten Weg, alles bei Schwächeren abzuladen. In der Zeit der 68iger Bewegung hat die NPD eindeutig den Kürzeren gezogen.

Literaturverzeichnis

Behrend, Katharina: Die Rolle nationalistischer Bewegungen im politischen System der Bundesrepublik Deutschland am Beispiel von NPD und Republikaner im historischen Vergleich, Regensburg 1996

Fascher, Eckhard: Modernisierter Rechtsextremismus? Ein Vergleich der Partei Gründungsprozesse der NPD und der Republikaner in den sechziger und siebziger Jahren, Berlin 1994

Hans Maier: Struktur und Ideologie einer „nationalen Rechtspartei“, München 1968

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